Tagesbericht: Omerta

Montag, 19. April 2010

Omerta

Das Gesetz des Schweigens

Das französische Magazin Golias berichtet vom zurückliegenden Fall eines pädophilen Priesters, der 2000 wegen Vergewaltigung von Jungen verurteilt wurde. Sein vorgesetzter Bischof wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er ihn aktiv gedeckt hatte. Für sein Schweigen erhielt der Bischof 2001 vom Präfekten der Kongregation ein Belobigungsschreiben. Siehe auch Bericht bei Spiegel und Telepolis.

Das Schreiben lobt explizit die schütztende Verhaltensweise des Bischofs als Konsequenz aus dem väterlichen Verhältnis zum betroffenen Priester.

Ein Priester ist etwas anderes als ein normaler Arbeitnehmer: Dieser bewegt sich frei im Arbeitsmarkt – er kann eingestellt und entlassen werden; sein Vertragsverhältnis verpflichtet zu definierter Arbeitsleistung und impliziert ein Vertrauensverhältnis vom Arbeitgeber.

Der Priester dagegen wird für sein Amt geweiht. Die so geknüpfte Bindung ist nicht vertraglicher, sondern eher familiärer Natur: der Priester ist dem Bischof quasi schutzbefohlen. In seinen Ursprungsjahren war das Christentum eine Untergrundbewegung im alten Rom, das die Wirtschaftsbasis der Sklaverei in Frage stellte – mit der Konsequenz intensiver Verfolgung. – Insofern ist das Verhalten des Bischofs schlüssig: so, wie das bürgerliche Recht vor Gericht die Weigerung erlaubt, eigene Familienmitglieder zu belasten, so wendet er einen analogen Anspruch auf seine eigene Organisation (also die Kirche) an.

Ähnliche Verhaltensstrukturen beobachten wir bei Mafia und der Camorra: diese Organisationen bezeichnen sich explizit als Familie, deren Omerta als Schutzwall gegen Zugriff durch Zivilgesellschaft dient.

Offen bleibt die Frage, wie wir mit der Kirche als Paragesellschaft umgehen sollten.

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